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Vitamin D & Calciummangel

Bei Calciummangel oder Kalziummangel bzw. Hypokalzämie, fehlt dem Körper der Mineralstoff Calcium, auch Kalzium geschrieben (abgekürzt Ca). Mediziner sprechen von Calciummangel, wenn die Calciumkonzentration im Blut unter 2,2 Millimol pro Liter (mmol/l) sinkt. Lesen Sie mehr über die Symptome, Ursachen, Therapie und Vorbeugung von Calciummangel.


Synonyme

Kalziummangel, Hypokalzämie


Definition

Wie die Bezeichnung es schon sagt, ist der Körper bei Calciummangel nicht ausreichend mit dem lebensnotwendigen Mineralstoff Calcium versorgt. Erwachsene benötigen ca. 1000 mg Calcium pro Tag. Schwangere und Stillende sowie Kinder und Jugendliche im Wachstum etwas mehr. Der Mehrbedarf kann durch Milchprodukte gedeckt werden – jedoch nur, wenn keine Kuhmilchallergie oder Laktoseintoleranz besteht. Besonders reich an Kalzium sind auch Sojabohnen und Soja-Produkte, außerdem grüne Gemüse wie Grünkohl, Brokkoli oder Fenchel.


Vitamin D und Calcium

Eine ausreichende Zufuhr von Calcium schützt nicht zwangsläufig vor Calciummangel. Warum? Damit der Körper das Calcium in ausreichendem Maß aufnehmen kann, braucht er Vitamin D. Vitamin D fördert die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und die Wiederaufnahme von Calcium in der Niere. Fehlendes Vitamin D begünstigt also einen Calciummangel, da wir weniger Calcium aus der Nahrung verwerten und zu viel Calcium über die Nieren verlieren würden. Vom Körper wird Vitamin D, speziell Vitamin D3, in der Haut gebildet. Voraussetzung für die Bildung von Vitamin D ist natürliches Tageslicht. Selbst im Winter und bei bedecktem Himmel genügen 3 Mal wöchentlich 15 Minuten, um so viel Vitamin D zu bilden, dass der Körper das Calcium aus der Nahrung ausreichend aufnehmen kann. Wichtig ist zudem eine frische, abwechslungsreiche Ernährung.


So reguliert der Körper den Calciumspiegel

Der Körper reguliert die Calciumkonzentration im Blut in einem Regelkreislauf, an dem vor allen Calcitonin (ein Hormon aus der Schilddrüse), Parathormon (kurz PTH aus der Nebenschilddrüse) und Vitamin D beteiligt sind. Bei Calciummangel geschieht folgendes: Schilddrüse und Nebenschilddrüse bemerken, dass zu wenig Calcium im Blut vorhanden ist. Die Schilddrüse reagiert, indem sie weniger Calcitonin produziert. Denn Calcitonin würde die Menge an Calcium im Blut noch weiter senken. Die Nebenschilddrüsen hingegen bilden mehr Parathormon, das Knochenzellen abbaut, um an das dort eingebaute Calcium zu kommen. Dieses geht ins Blut über und erhöht die Calciumkonzentration.


Gleichzeitig signalisiert PTH den Nieren, dass diese weniger Calcium ausscheiden sollen, dafür aber mehr Phosphat mit dem Urin abgeben. Durch Knochenabbau und verringerte Calciumausscheidung erhöht sich die Calciumkonzentration im Blut. Im Gegenzug aber nimmt die Blut-Phosphatkonzentration ab, da dieser Mineralstoff über den Urin verloren geht. Das bemerken die Nieren ebenfalls. Um der sinkenden Phosphatkonzentration entgegenzuwirken, produzieren die Nieren mehr Vitamin D. Das wiederum sendet dem Darm Signale, mehr Calcium aus der Nahrung aufzunehmen. Die Schilddrüse bekommt den Befehl, weniger Parathormon zu produzieren. So soll ein weiterer Phosphatverlust verhindert werden. Vitamin D baut aber auch mehr Calcium und Phosphat in die Knochen ein – die Calciumkonzentration im Blut sinkt und der Kreislauf beginnt erneut.


Symptome

Calcium ist im Körper wichtig für den Aufbau von Knochen, Haaren und Zähnen, die Muskel- und Nerventätigkeit, die Blutgerinnung sowie die Abwehr von Entzündungen und Allergien. Symptome von Calciummangel sind unter anderem:

  • Kribbeln auf der Haut, Ameisenlaufen und Pelzigkeitsgefühl
  • Muskelkrämpfe
  • Hautveränderungen wie trockene Haut und Ekzeme
  • Störungen der Hornbildung, erkennbar an Haarausfall und brüchigen Nägeln
  • Vermehrte Knochenbrüchigkeit, Minderung der Knochendichte und Fortschreiten von Osteoporose
  • Verdauungsstörungen und Durchfall
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen oder niedriger Blutdruck
  • Sehverschlechterungen oder Linsentrübungen (Katarakt, umgangssprachlich Grauer Star genannt) – insbesondere bei einem Mangel an Parathormon
  • Stimmungsschwankungen, Erschöpfung und psychische Störungen wie vermehrte Erregbarkeit
  • bei Kindern gestörte Zahnentwicklung und Minderwuchs.


Ursachen

Als Ursachen von Calciummangel kommen vor allem eine einseitige Ernährung, ein erhöhter Bedarf an Calcium oder Krankheiten sowie Nebenwirkungen von Medikamenten infrage. Ebenfalls kann die körpereigene Steuerregulierung gestört sein und so einen Kalziummangel verursachen.


Häufige Ursachen von Calciummangel
  • zu geringer Verzehr von Milch- und Milchprodukten oder erhöhter Calciumbedarf, besonders bei Schwangeren, Stillenden und bei Kindern im Wachstum
  • calciumarme- und phosphatreiche Ernährung
  • Ernährungsstörungen wie Ess-Brech-Sucht (Bulimie) oder Magersucht (Anorexie)
  • Verwendung von enthärtetem Wasser
  • Vitamin D-Mangel: Vitamin D begünstigt die Aufnahme von Calcium aus der Nahrung im Darm und verhindert einen zu hohen Calciumverlust über die Nieren.
  • Milch- und Milchzuckerunverträglichkeiten (zum Beispiel Kuhmilchallergie und Lactoseintoleranz)
  • gestörte Calciumaufnahme aus dem Darm, zum Beispiel bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • bestimmte Krankheiten der Schilddrüse und Nebenschilddrüse (vor allem Nebenschilddrüsenunterfunktion)
  • chronische Nierenkrankheiten wie chronische Niereninsuffizienz
  • Nebenwirkung bestimmter Arzneien (z.B. harntreibende Mittel oder Abführmittel).


Untersuchung

Zunächst wird der Calciummangel durch Laboruntersuchungen von Blut und Urin bestätigt. Auch das Elektrokardiogramm (EKG) zeigt typische Veränderungen bei Calciummangel an.


Behandlung

Die Therapie von Calciummangel besteht vor allem darin, die Ursache herauszufinden – und die entsprechenden Verhaltensweisen oder Umstände zu beseitigen. Gegebenenfalls verordnet der Arzt Calcium-Präparate, die in der Regel mit Vitamin D kombiniert werden. Denn Vitamin D fördert unter anderem die Aufnahme von Calcium aus dem Darm ins Blut.

Bei besonders schweren Formen des Calciummangels, zum Beispiel bei lebensbedrohlichen Krampfanfällen, muss Calcium intravenös verabreicht werden. In der Regel genügen aber Tabletten oder Brausetabletten.


Selbsthilfe gegen Calciummangel

Ehe Sie zur Selbsthilfe gegen einen vermeintlichen Calciummangel schreiten, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen. Nur wenn der Arzt die Diagnose Kalziummangel bestätigt, ist eine erhöhte Kalziumzufuhr überhaupt sinnvoll. Insbesondere bei der Selbstbehandlung mit calciumhaltigen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln sollten Sie immer im Blick behalten, dass zu viel Kalzium sogar schaden kann. Ein Calciumüberschuss kann vielfältige Beschwerden und Erkrankungen auslösen wie:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Muskelschwäche
  • Magen-Darmbeschwerden (wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung oder Schmerzen)
  • Kalkablagerung im Gewebe (z.B. Nierensteine)
  • Antriebslosigkeit und Depressionen.


Vorbeugung

Zur Vorbeugung von und in der Selbsthilfe bei Calciummangel sind frei verkäufliche Medikamente sehr beliebt. Sie sollten aber darauf achten, einerseits qualitativ hochwertige Ware zu kaufen (vorzugsweise in der Apotheke) und andererseits Calcium nicht nach Belieben zu konsumieren. Es gibt Calcium-Präparate als Brausetabletten, Tabletten oder Trinkampullen und Pulver.


Kombinationen sind nicht immer vorteilhaft

Häufig ist das Calcium mit Zink, Magnesium oder mit Vitaminen, insbesondere Vitamin D3, kombiniert. Viele Kombinationen sind nicht immer unproblematisch. Mineralstoffe und Vitamine sind zwar dem Recht nach Lebensmittel. Das bedeutet aber nicht, dass sie ohne Bedenken eingenommen (siehe oben) oder kombiniert werden sollten. Es finden sich sogar Kombinationen von Mineralstoffen und Vitaminen, bei denen die einzelnen Bestandteile sich gegenseitig behindern oder neutralisieren. Fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt, welches Präparat für Sie richtig ist.


Dosierungen für die Vorbeugung von Allergien

Mitunter wird Calcium auch zur Vorbeugung und Behandlung von Allergien eingesetzt. Denn Calcium verringert die Durchlässigkeit kleinster Gefäße bzw. dichtet diese ab. Damit wird verhindert, dass Histamin ins Gewebe gelangt und die typischen Allergiesymptome auslöst.

Zur Vorbeugung oder Behandlung von Allergien sollten mindestens 1.000 bis 1.200 mg Calcium pro Tag eingenommen werden. Um Knochenschwund vorzubeugen, werden ebenfalls Dosen von ca. 1000 mg täglich empfohlen, wenn eine calciumreiche Ernährung nicht möglich ist. Neuere Studien lassen am Nutzen einer solch hohen Calciumzufuhr zweifeln. Für eine endgültige Bewertung sind jedoch noch weitere Studien nötig.