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Jodmangel

Jodmangel gehört zu den wenigen Mangelerkrankungen, die in Deutschland nach wie vor sehr verbreitet sind. Dabei ist die Versorgung mit Jod durch die Verwendung von jodiertem Speisesalz (Jodsalz) leicht, billig und effektiv zu vermeiden. Wie Sie sich schützen, erklärt umfassend der Ratgeber Jodmangel.


Synonyme

Kropf, Struma


Definition

Jodmangel zählt zu den häufigen Mangelerkrankungen. In Deutschland sind vor allem Menschen im Alter von über 50 Jahren betroffen.

Jod (Jodid, I) gehört zu den Spurenelementen. Der Körper kann es nicht selbst herstellen. Daher muss Jod über Nahrung und Trinkwasser zugeführt oder über die Atemluft aufgenommen werden. Die wichtigste Aufgabe von Jod: Es ist ein wichtiger Bestandteil, der für die Produktion der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) benötigt wird. Diese Hormone wiederum sind an nahezu allen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Wenn die Schilddrüse nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produzieren kann, hat das vor allem Folgen für die Organe, den Kreislauf und Stoffwechsel, das Nervensystem und die Muskulatur.


Wie viel Jod brauchen wir?

Jod gehört wie Eisen, Zink und Selen zu den Spurenelementen, die zur Großgruppe der Mineralstoffe gehören. Da der Körper Jod nicht selbst bilden kann, muss es von außen zugeführt werden. Die benötigten Jodmengen sind vergleichsweise winzig und werden in Mikrogramm angegeben, also in 1/1000 Gramm. Laut Arbeitskreis Jodmangel und Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) benötigen

  • Kinder im Alter von 1 bis 4 Jahren: 100 Mikrogramm/Tag
  • Kinder im Alter von 5 bis 7 Jahren: 120 Mikrogramm/Tag
  • Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren: 140 Mikrogramm/Tag
  • Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren: 180 Mikrogramm/Tag
  • Jugendliche und Erwachsene bis 50 Jahren: 200 Mikrogramm/Tag
  • Erwachsene über 51: 180 Mikrogramm/Tag


Der größte Anteil des aufgenommenen Jods lagert in der Schilddrüse.


Erhöhter Bedarf in Schwangerschaft und Stillzeit

Für Schwangere geben Arbeitskreis und BfR einen Bedarf 230 Mikrogramm Jod pro Tag an. Stillende sollen demnach noch etwas mehr Jod aufnehmen, nämlich 260 Mikrogramm. Säuglinge brauchen laut Arbeitskreis 40 Mikrogramm pro Tag in den ersten 4 Monaten, in den folgenden Monaten bis zum 1. Geburtstag 80 Mikrogramm Jod pro Tag.


Symptome

Sichtbares Zeichen anhaltenden Jodmangels ist eine vergrößerte Schilddrüse, die auch als Kropf bezeichnet wird. Die Redensart „überflüssig wie ein Kropf“ beschreibt sehr zutreffend, dass Jodmangel nicht sein muss.


Wie entsteht ein Kropf?

Bei Jodmangel versucht die Schilddrüse zunächst, die mangelhafte Funktion durch zusätzliches Wachstum auszugleichen. Dabei vermehren sich die Schilddrüsen-Zellen. Zudem schüttet die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) vermehrt Schilddrüsen-stimulierende Hormone aus. In Folge vergrößern sich die Schilddrüsen-Zellen auch noch. Das Ziel dieses Wachstums: mit dem wenigen Jod so viele Schilddrüsenhormone wie möglich zu produzieren. Das geht häufig auch über einige Jahre gut. Wenn der Jodmangel aber weiter anhält, sind einerseits kaum mehr Jodreserven im Körper verwertbar. Andererseits wächst die Schilddrüse so sehr, dass sie äußerlich als Kropf oder sogenannte Struma wahrnehmbar wird. Bei gesunden Menschen ist die Schilddrüse nicht sichtbar, sogar kaum tastbar.


Der Kropf ist aber nicht nur ein kosmetisches Phänomen. Bei anhaltendem Wachstum kann die Schilddrüse so groß werden, dass sie auf die Luftröhre drückt. Schluckbeschwerden und Atemprobleme bis hin zur Atemnot sind die Folge. Zunehmender Druck auf den Kehlkopf kann Schwierigkeiten beim Sprechen oder Stimmveränderungen verursachen.


Schilddrüsenfehlfunktionen durch Jodmangel

Als Folge anhaltenden Jodmangels entwickeln sich Schilddrüsenfehlfunktionen. Das kann sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion sein wie eine Schilddrüsenunterfunktion. Als Folge des unkontrollierten Wachstums bilden sich in der Schilddrüse sogenannte kalte und heiße (autonome) Knoten.


Heiße Knoten produzieren – eine entsprechende Jodverfügbarkeit vorausgesetzt – unkontrolliert Schilddrüsenhormone. Die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) verursacht Symptome wie ungewollte schnelle Gewichtsabnahme, Nervosität, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und abnehmende Leistungsfähigkeit.

  • Ausführliche Informationen über Symptome, weitere Ursachen und Therapie von Schilddrüsenüberfunktion

Kalte Knoten in der Schilddrüse hingegen sind nicht in der Lage, die Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin zu bilden. Sie stören aber die ohnehin herabgesetzte Funktion der Schilddrüse. Es entwickeln sich die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Typisch sind beispielsweise unerklärliche Gewichtszunahme, verlangsamter Herzschlag, sinkender Blutdruck, Durchblutungsstörungen oder Muskelkrämpfe sowie ausgeprägte Müdigkeit und Antriebslosigkeit.

  • Ausführliche Informationen über Symptome, weitere Ursachen und Therapie von Schilddrüsenunterfunktion


Schwangerschaftskomplikationen durch Jodmangel

Besonders fatal ist Jodmangel in der Schwangerschaft. Er gefährdet das Ungeborene. Bei Jodmangel steigt die Rate der Fehlgeburten deutlich. Gut 1 Prozent der Kinder von Müttern mit Jodmangel kommen schon mit einem Kropf zur Welt. Und mit dem erhöhten Risiko für eine Schilddrüsenfehlfunktion, die sie lebenslang begleiten wird.

Jodmangel kann zudem Gedeihstörungen beim Fötus begünstigen. Das gilt unter anderem für die Entwicklung des Gehirns und der Intelligenz, Wachstumsstörungen und verzögerte Lungen- und Knochenreifung. Denn Jod wird insbesondere für die Bildung von Gehirnzellen benötigt. Im ungünstigsten Fall kommt es zum sogenannten Kretinismus. Das ist eine Entwicklungsstörung mit herabgesetzten mentalen Fähigkeiten und – mitunter deutlicher - Intelligenzminderung. Begleitsymptome sind häufig Schwerhörigkeit und Sprachstörungen.

Außerdem ist das Spurenelement für ein gesundes Calcium-Phosphat-Verhältnis mitverantwortlich - und somit für die Knochenbildung unverzichtbar. Ein Jodmangel kann also auch körperliche Behinderungen bedingen.


Behandlung

Bei jüngeren Personen und wenn der Kropf noch nicht lange besteht, wird der Arzt ein Jod-Medikament für mehrere Monate verordnen, um die Jodspeicher der Schilddrüse wieder aufzufüllen. Anschließend ist auf eine jodreiche Ernährung zu achten, um Rückfälle zu vermeiden.

Wenn Sie älter sind und der Jodmangel schon länger besteht, sind ausführliche Untersuchungen der Schilddrüsenfunktion nötig, bevor über eine Behandlung entschieden werden kann. Meist erfolgt eine Kombinationstherapie mit Schilddrüsenhormonen und Jod-Präparaten. Manchmal ist auch die alleinige Gabe von Schilddrüsenhormon sinnvoll. Anschließend ist auf eine jodreiche Ernährung zu achten; eventuell muss zusätzlich ein niedrigdosiertes Jod-Medikament eingenommen werden.

Bei Jodverwertungsstörungen (wenn die Schilddrüse zwar genügend Jod bekommt, es aber nicht richtig verwenden kann), wird mit Schilddrüsenhormon-Tabletten oder Tropfen behandelt. Dann bekommt der Körper wieder genügend Schilddrüsenhormone und die Schilddrüse stellt ihr Wachstum ein.

Manchmal ist auch eine operative Kropfentfernung notwendig. Eine Verkleinerung der Schilddrüse kann auch durch die Gabe von radioaktivem Jod erzielt werden (sog. Radiojod-Therapie).


Jod-Überdosierung

Eine übermäßige Jodzufuhr von mehr als 1 Milligramm Jod pro Tag kann zu einer Jod-Überdosierung führen. Eine exzessive Jod-Aufnahme mündet in eine Jodvergiftung. Die Zufuhr von 2 bis 3 Gramm reinen Jods kann tödlich enden. Über die Nahrung ist das kaum bis gar nicht möglich. Anders verhält es sich bei versehentlichem Trinken von Jodtinktur (zum Beispiel aus kindlicher Neugier) oder einer übermäßigen Einnahme von Jodtabletten.

Anzeichen für einen Jodüberschuss sind zunächst Beschwerden im Magen-Darm-Bereich und Hautausschläge (sogenannte Jodakne). Bei länger anhaltendem Jodüberschuss bemerken die Betroffenen häufig ein Brennen in Mund und Rachen, zudem bräunliche Verfärbungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie einen metallischen Geschmack im Mund. Aber auch banale Symptome wie Schnupfen, häufige Bindehautentzündungen oder Kopfschmerzen können auf ein Zuviel an Jod hindeuten. Schwindel, Bewusstseinsstörungen, Kreislaufeinbrüche und Atemnot weisen auf eine Jodvergiftung hin. Bei diesen Symptomen muss sofort der Notarzt informiert und die Rettung gerufen werden.


Vorbeugung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung geht davon aus, dass wir ohne Verwendung von jodiertem Speisesalz etwa 100 Mikrogramm Jod pro Tag mit der Nahrung aufnehmen. Demnach sollte also etwa 50 bis 80 Prozent der Lebensmittel in einem durchschnittlichen Haushalt mit Jodsalz zubereitet werden, um den Bedarf von Jugendlichen und Erwachsenen zu decken. Industriell hergestellte Lebensmittel werden laut BfR zu etwa 30 Prozent mit Jodsalz zubereitet.

Zu den besonders jodreichen Lebensmitteln zählen Milch- und Milchprodukte sowie Seefisch, der 1 bis 2 Mal pro Woche auf den Tisch kommen sollte. Algen und Seetang gelten ebenfalls als besonders jodreich. 1 Kilogramm Meeresalgen können bis zu 3,8 Gramm Jod beinhalten.

Jodhaltige Mineralwasser und jodhaltige Zahnpasten tragen außerdem dazu bei, den Jodbedarf auf natürliche Weise zu decken. Jod kann darüber hinaus mit der Atemluft in den Körper gelangen, beispielsweise in frischer Seeluft oder einer Jodsalzgrotte.