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Heilpflanzen aus dem Regenwald

Die unbekannte Natur-Apotheke


Die tropischen Regenwälder Mittel- und Südamerikas sind die artenreichsten Ökosysteme der Erde und eine wahre Schatzkammer an natürlichen Arzneien. Was viele Menschen nicht wissen: Jedes vierte Medikament mit pflanzlichem Ursprung stammt aus Tropenwäldern. Und die meisten Wirkstoffe sind noch nicht einmal entdeckt.


Unermessliches Potenzial

Für seine Arbeit begibt sich Dr. Thomas Efferth, Professor für Molekularpharmakologie an der Universität Mainz und Leiter der Abteilung für Pharmazeutische Biologie im Institut für Pharmazie und Biochemie, immer wieder auch dorthin, wo die Arzneien der Zukunft ihren Ursprung haben – in die Natur. Elf Jahre ist es her, dass er sich aufgemacht hat, von schamanischen Heilern zu lernen, die im Regenwald Mittel- und Südamerikas zu Hause sind. Eben dort, wo mehr Heilpflanzen als in jeder anderen Region der Erde wachsen. „Die Apotheke des Regenwaldes ist ein enormer Schatz, der noch nicht gehoben ist“, ist er sich sicher. „Bisher wurden weniger als zehn Prozent der Pflanzen nach Inhaltsstoffen untersucht.“ Leider, sagt er, machen Regierungsbeamte der Regenwaldländer Forschern das Leben schwer: „Der wirtschaftliche Gewinn aus dem Fällen der Bäume und das Öl sind wichtiger als das Wissen um und die Gewinnung von Naturarzneien.“ Doch es geht auch anders: Gemeinsam mit der brasilianischen Chemie-Professorin Vanderlan Bolzani hat er aus 20 Regenwald-Pflanzen Substanzen isoliert, die nach und nach molekularbiologisch untersucht werden.


Schätze heben

Ureinwohner am Amazonas, des Kongo oder Borneos haben viele Heilpflanzen bereits bekannt gemacht, doch die meisten Wirkstoffe, sind sich Wissenschaftler weltweit einig, dürften noch nicht entdeckt sein. In Costa Rica beispielsweise fanden Forscher in den vergangenen 25 Jahren 400 neue Pflanzenarten, deren Potenzial als vielversprechend gilt.
„Pflanzen erzeugen direkt oder indirekt alle unsere Lebensmittel, die meisten unserer Medikamente, unsere Kleidung. Sie nähren nicht nur unsere Körper, sondern auch unsere Seele. Mit Farben und Düften. Und was tun wir? Wir rotten sie aus. Wenn wir weitermachen wie bisher, werden wir bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts ein Drittel aller weltweit bekannten Arten ausgemerzt haben. Sind wir eigentlich verrückt?“, fragt Dr. Peter Hamilton Raven, bis 2011 Direktor des Botanical Garden im US-Bundesstaat Missouri.
Die Münchner Biologin und Ernährungswissenschaftlerin Dr. Andrea Flemmer stellt fest: „Mehr als 7 000 Medikamente sind aus Pflanzen des tropischen Regenwaldes entwickelt, dabei haben Wissenschaftler erst zwei Prozent der dortigen Pflanzenarten untersucht.“ Sie listet auf: Pflanzen aus dem Regenwald helfen gegen Krebs, Tuberkulose und Malaria, wirken als Abführmittel und gegen Husten oder verursachen gar halluzinogene Träume wie Ayahuasca, gewonnen aus einer Dschungelliane. „Jedes vierte Medikament mit pflanzlichem Ursprung stammt aus Tropenwäldern!“


Von Martina Schneider, Altenahr – raum&zeit Newsletter 217/2019

Bezugsquelle: https://www.raum-und-zeit.com/oekologie/naturmedizin/


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